Kooperation mit dem 1. FC Union Berlin

Peter Hermanns 28.05.2022 Lesedauer 3 Min.

Den IB verbindet seit vielen Jahren eine enge Partnerschaft mit dem 1. FC Union Berlin, was sich in vielen Kooperationsprojekten widerspiegelt. Auch jüngst, mit dem Beginn des Krieges in der Ukraine, arbeiten IB Berlin-Brandenburg und der 1. FC Union Berlin Hand in Hand, um den geflüchteten Menschen schnell und unbürokratisch zu helfen.

Wo rot-weiße Schals an Balkonbrüstungen herunterhängen, der Begriff Union nicht mit dem europäischen Staatenverbund oder der christdemokratischen Partei in Deutschland assoziiert wird und Autokennzeichen mit der Buchstabenfolge B-EU (“Eisern Union”) auffallend oft zu sehen sind, dort ist Köpenick. In Berlins größtem Flächenbezirk dreht sich eine ganze Menge um den 1. FC Union Berlin, der fußballerisch gerade wieder einmal Geschichte geschrieben hat. Doch der Erfolg lässt die “Eisernen” nicht abheben. Stets hält der Verein Augen und Ohren offen für in Not geratene Menschen. So war der Beginn des Ukraine-Kriegs ein bitterer Anlass, durch einen Vorstandsbeschluss die langjährig erprobte Kooperation mit dem IB Berlin-Brandenburg nochmals zu intensivieren und mit ihm und weiteren Partnern neue Hilfsprojekte zu initiieren.

Wir erinnern uns: Als Ende Februar die ersten Menschen aus dem zweitgrößten europäischen Land flüchteten, war die Welle der Hilfsbereitschaft riesig. Dort, wo der Staat nicht helfen konnte, waren es neben gemeinnützigen Organisationen Privatleute, die für eine materielle Erstversorgung sorgten und Zimmer in ihren Häusern oder Wohnungen zur Verfügung stellten. Schon bald stellte sich aber die Frage: Wie lange können Menschen, die sich nicht kennen, oft keine gemeinsame Sprache sprechen und unterschiedliche Lebensgewohnheiten haben, auf engem Raum zusammenleben?

Wohnungen für geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer

Union-Sponsor Michael Kölmel war einer der ersten, der schon in der Frage eine besondere  Brisanz erkannten. Deshalb stellte der Unternehmer in einem seiner Wohnhäuser vier Wohnungen mit unbefristetem Mietvertrag zur Verfügung. Handwerklich versierte Unioner aus dem Umfeld des Fanclubs “Eiserner Virus” und der AG Soziales der Fan- und Mitgliederabteilung sorgten für die Renovierung und den Aufbau von Möbeln, die von der Stiftung des 1. FC Union Berlin, dem Wirtschaftsrat und dem Verein Kinderlachen e.V., einer festen Größe im Union-Umfeld, finanziert wurden. Aus der Fülle der bis dahin privat untergekommenen Menschen wählte der IB Berlin-Brandenburg am Ende vier Haushalte aus, deren Wohnsituation besonders prekär war und unterstützt sie seitdem über Kolleg*innen der Ambulanten Wohnhilfe Neukölln unentgeltlich bei den wichtigsten Formalitäten wie Registrierung, Schul- und Kitaversorgung der Kinder, Einrichtung eines Kontos und vielem mehr.

Weil der Bedarf an Wohnungen und anderen abgesicherten Unterbringungsmöglichkeiten wesentlich größer war (und ist), realisierte der IB mit denselben Partnern ein zweites Projekt. Als die Umverteilung von geflüchteten Menschen in andere Bundesländer noch nicht geregelt war und viele Menschen Angst hatten, an einen unbekannten Ort “verlegt” zu werden, erreichte uns über Kinderlachen e.V. das Angebot der Gemeinde Bad Wiessee am Tegernsee. Der Bürgermeister selbst warb für die Aufnahme weiterer Geflüchteter aus der Ukraine und stellte hierfür ein ehemaliges Seniorenwohnhaus zur Verfügung. Auch dieses wurde mit Mitteln der Stiftung des 1. FC Union Berlin und von Kinderlachen e.V. ausgestattet. Der IB sprach über Ehrenamtliche gezielt prekär untergebrachte Menschen an, die keine Perspektive in Berlin sahen. Am Ende wurden 15 Menschen, sieben Frauen und acht  Kinder, mit einem gesponsorten Bus nach Bayern gebracht.

In Kürze wird der IB in Köpenick eine ASOG+ -Einrichtung für aus der Ukraine geflüchtete Menschen eröffnen. Auch hier ist die Union-Familie - neben der degewo AG und dem Förderverein der Anna-Seghers-Schule - wieder mit Spenden für die Möblierung und Aufbauhilfe an Bord.

Mit Fußball gegen den Krieg antreten

Union wäre aber nicht Union, stünde nicht das Thema Fußball ganz oben auf der Agenda. Deswegen hatte der Verein schon kurz nach Kriegsausbruch angeregt, regelmäßige Fussballtrainings für Kinder und Jugendliche anzubieten, die aus der Ukraine gekommen sind. Zu dieser Zeit - zum Teil noch bis heute - ist die Situation aber unübersichtlich: Menschen, die nach Berlin kommen, werden zum größten Teil in andere Bundesländer verteilt, sodass dieses Vorhaben so nicht umgesetzt werden konnte. Nur für eine Gruppe jüdischer Vollwaisen finden aktuell Trainings im Nachwuchsleistungszentrum des Clubs statt.

Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Und es gibt weitere Pläne: Das Bündnis “Willkommen im Fussball” - 2015 unter Federführung des 1. FC Union Berlin gegründet und maßgeblich im Internationalen Bund mitgeprägt - wird in diesem Jahr ein Sportfest ausrichten und bereitet ein Turnier vor, das sich nicht nur an Kinder und Jugendliche wendet, die aus der Ukraine gekommen sind. Denn eines ist auch klar: Bei aller Notwendigkeit zur Unterstützung aktuell ankommender Menschen dürfen diejenigen nicht vergessen werden, die schon länger oder von Geburt an hier sind. Das ist für alle Beteiligten eine Herzensangelegenheit. So beteiligen sich die “FCU-Oldies” und Mitglieder der AG Soziales der Fan- und Mitgliederabteilung (FuMa) am diesjährigen Sommerfest des ToM-Projekts (9. Juli, 16-20 Uhr).

Die Kooperation zwischen dem IB und dem 1. FC Union Berlin, seiner Gremien, Fans und Partner wäre unvollständig ohne den Türöffner e.V. Die Idee zu diesem Jobnetzwerk für Geflüchtete entstand 2015 im Garten des damaligen IB-Übergangswohnheims Im Köpenicker Allende 2 in einem Gespräch zwischen dem IB, Mitgliedern des Wirtschaftsrats des 1. FC Union Berlin und der Katholischen St. Josef-Gemeinde. Seit seiner offiziellen Gründung 2016 wurden 117 Menschen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse vermittelt. Durch den Zuzug der Geflüchteten aus der Ukraine warten neue Aufgaben auf den Verein. So wird er u.a. in der neuen Köpenicker ASOG+-Einrichtung regelmäßige Sprechstunden anbieten.

Hand in Hand mehr erreichen

Manche der Projekte taugen sicher als best-practice-Beispiele für das gemeinsame Engagement unterschiedlicher Akteure. Oft sind es aber auch vermeintlich kleine Dinge, die verdeutlichen, wie unkompliziert und gleichzeitig effektiv sich das Zusammenspiel mit Union gestaltet. Hier ein paar Beispiele:

►  Die Stiftung des FCU und der Verein Kinderlachen e.V. 30.000 Willkommenstrinkbecher für Kinder und Jugendliche aus der Ukraine produziert, die vom IB an Einrichtungen verteilt werden.
►  Am Ende der Sommerferien werden vom IB und der AG Soziales der FuMa des Vereins “goodie-bags” für neu angekommene Schülerinnen und Schüler entwickelt, gefüllt und verteilt.
►  Ein Teil der “Fanhaus-Baustelle” neben dem Stadion An der Alten Försterei - 2015/16 Ort der IB-Notunterkunft für Geflüchtete - nutzt der IB seit April als Spendenlager.
►  Das Wohnheim Trachenbergring durfte sich über 50 Betten und Matratzen vom Verein Kinderlachen e.V. freuen.

Die Aufzählung ist unvollständig. Nicht vergessen werden darf auch die Zusammenarbeit an anderen Stellen, z.B. mit der IB-Oberschule in Neuenhagen und einigen IB-Kitas. Und viele weitere Vorhaben sind in der pipeline.

“Der Starke hilft dem Schwachen” ist das Motto der Stiftung des 1. FC Union Berlin. Diese Losung wird von allen bei Union tagtäglich gelebt. Der IB ist stolz, einen solch  starken und engagierten Partner an seiner Seite zu haben.

 

Wir sagen Eisern und Danke!

Peter Hermanns

ist Leiter des Bereichs Politische Kommunikation und war viele Jahre beim IB als Bereichsleiter in der Flüchtlingshilfe tätig. Aktuell koordiniert er die…

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